14.07.2009_Humour’s Humidity

Oliver Roth (Querflöte und Komposition)
Reto Staub (Klavier)
Martin Wyss (Kontrabass)
Michi Stulz (Schlagzeug)

Der Quer-Flötist

Mit seinem Quartett spielt Oliver Roth zeitgenössischen Jazz, der zwischen Action und Abstraktion, Anmut und Aggression oszilliert: aufregende, andersartige, facettenreiche Musik, die in keine der herkömmlichen Schubladen passt, Musik, die sowohl Emotionen weckt als auch die grauen Zellen im Oberstübchen ins Rotieren bringt, Musik, die den Aufbruchsgeist von bahnbrechenden Aufnahmen wie Ornette Colemans «The Shape of Jazz to Come», Jimmy Giuffres «Fusion», «Thesis» und «Free Fall» sowie Eric Dolphys «Out to Lunch» auf eigenständige und kreative Weise in die Gegenwart transportiert.

Roth, der Klassik und Jazz studierte, ist ein Brückenbauer ausgehend von der Dringlichkeit und der Schwungkraft des Jazz, der klanglichen Vielfalt der Neuen Musik und dem prozessualen Charakter der freien Improvisation entwickelt er seine Stücke, die trotz ihrer formalen Raffinesse viel Raum lassen für intuitives „Instant Composing“.
Abgesehen von eingefleischten Neutönern wie Robert Dick oder Matthias Ziegler gibt es im Jazz so gut wie keine Musiker, die ausschliesslich flöten. Roth konzentriert sich nicht aus Bequemlichkeit auf die Flöte, vielmehr verzichtet er ganz bewusst auf instrumentale Verzettelung. So ist es ihm möglich, konsequent an seinem (bereits imposanten) Sound zu arbeiten.

Für sein Quartett hat Roth Musiker ausgewählt, die mehr wollen und können, als wild entschlossen draufloszuspielen. Die Kompositionen Roths, die z.T. auf der Destillation von Probeaufnahmen basieren, orientieren sich nicht an konventionellen Song-Schemata und sind dementsprechend auch kein Ausgangspunkt für einen Staffellauf der Solisten: Sie sind ein Sprungbrett für gemeinsame Exkursionen und setzen bei allen Beteiligten ein ausgeprägtes Sensorium für das Zusammenführen von experimenteller Offenheit und struktureller Schlüssigkeit voraus.

Roth und der Pianist Reto Staub erschliessen sich seit einem Jahrzehnt in der freien Improvisation neue Klangwelten und Interaktionsformen. Den Bassisten Martin Wyss hat Roth in seine Band geholt, weil dieser auch sehr souverän mit dem Bogen umzugehen versteht. Mit seiner sehr differenzierten Laut-Leise-Dynamik und breiten Klangpalette ist Michi Stulz der ideale Schlagzeuger für eine Band, die trotz der traditionellen Besetzung einen weiten Bogen um das hierarchische Prinzip „Leader plus Rhythmusgruppe“ macht.
(Text von Tom Gsteiger)

www.myspace.com/humourshumidity