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12.07.2022_Ernte

Benjamin Weidekamp (Altsaxophon, Klarinette)
Uli Kempendorff (Tenorsaxophon, Klarinette)
Kaspar von Grünigen (Kontrabass)
David Meier (Schlagzeug)

Die Ernte wird eingefahren! Es ist höchste Zeit, wieder ins Horn zu stossen.

Vier Jazzmusiker widmen sich einem Repertoire des 20. Jahrhunderts, das in vielen Fällen die Ernte ihrer (Krisen)Zeit war: Widerstandslieder, Arbeiterlieder, Partisanenlieder und Kampflieder gegen den Faschismus.

Die Aussaat unserer Zeit und die herrschende globale Politik wird uns womöglich eine Ernte bescheren, die kaum mehr verdaulich sein wird – nicht zuletzt in der Agrar- und Nahrungsmittelpolitik. Deshalb spielt Ernte getreu dem Motto „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ Musik mit und im Protest. Ohne Liedtexte, dafür mit grosser Spielfreude und allem was der Jazz dafür zu bieten hat: Improvisation, Unberechenbarkeit, Energie, Transzendenz und eine Spur Melancholie.

Presse:

“Es gibt solche Konzerte, wo unter der Oberfläche etwas Größeres aufscheint, wo sich eine Haltung in den künstlerischen Ausdruck mischt, die den Ereignissen eine tiefere Relevanz verleiht. An diesem abwechslungsreichen und druckvollen Abend war das so.“
Dr. Ulrich Steinmetzger – Leipziger Volkszeitung 2019

“Ein bewegender Abend mit großartigen Musikern.“
Christoph von Fircks – Schweriner Volkszeitung 2019

“Eindeutig und unverfremdet waren die Statements der Musiker, mit diesem Programm ihren Teil zum Kampf gegen „Raubtierkapitalismus und Ökozid“ beitragen zu wollen.“
Thomas Melzer – Festivalblog Jazz in E. 2019

„Vier Musiker präsentieren genau das, was dem Jazz seine zusätzliche Dimension gibt: heftige Emotionalität, ansteckende Spielfreude und überzeugende Haltungen, was sich zu einem inneren Glühen addiert.
Das lädt diese Musik auf mit Power und Relevanz und führt zu unverhofften Glücksmomenten, weil Sentiment, Aufrichtigkeit und Furor sich hier verbinden zu einer zu Herzen gehenden Direktheit, die mit dem Publikum interagiert. Genau das ist es, was den Jazz in seinen besten Momenten zu etwas Größerem macht.“
Leipziger Volkszeitung– 44. Jazztage Leipzig 2020

kasparvongruenigen.com/bands/ernte/

Foto @ Karl Lehner

13.09.2022_Evans / Mahall / Landfermann / Steidle (GER-USA)

Peter Evans (Trompete)

Rudi Mahall (Bassklarinette)

Robert Landfermann (Kontrabass)
Oliver Steidle (Schlagzeug)

Hier treffen vier Musiker aufeinander, die für ihre höchst individuelle Sprache am Instrument und in der Musik international bekannt sind. Sie haben alle mit ihren eigenen Projekten brilliert und sind zusätzlich gefragte Solisten, Sideman und Kollegen vieler kreativer Bands und Projekte.

Die Musik des Vierers basiert sowohl auf kurzen Stücken oder Fragmenten wie auch der freien Improvisation. Die Konzentration liegt auf dem Musizieren miteinander. Stilistisch frei, genauso wie im Ausdruck und dem Hören aufeinander wird hier der Jazz am Puls der Zeit zelebriert.

Fotos:
Oliver Steidle © Ralf Dombrowski
Rudi Mahall © Frank Schindelbeck

oliversteidle.com

11.10.2022_Simon Below Quartett

Fabian Dudek (Alt-, Sopransaxophon)
Simon Below (Piano, Komposition)
Yannik Tiemann (Kontrabass)
Jan Philipp (Schlagzeug)

Die vier jungen Musiker des Simon Below Quartetts studierten Jazz an der Hochschule für Musik Köln. Ihr Zusammenspiel ist mal extrovertiert energetisch – mal melancholisch minimalistisch! Simon Belows Kompositionen lassen eine hohe Aktionsfreiheit zu. Im März 2017 gewann das Quartett ein Stipendium der Werner Richard – Dr. Carl Dörken – Stiftung. Ihre Debut-CD, welche sie im Loft in  Köln aufgenommen haben, ist bereits im Kasten (Release: Mai 2018 bei „Double Moon Records Jazz thing Next Generation“). Außerdem gewann die Band im August 2018 den international-ausgeschriebenen Avignon-Jazzpreis („Tremplin Jazz D’Avignon“). Der Preis war eine drei-tägige Studio-Produktion im wunderbaren & renommierten „La Buissonne“-Studio. Im August 2019 – genau ein Jahr nach dem letzten Besuch in Avignon – nahmen die vier Musiker also das zweite Album der Band auf. Wie auch beim ersten Album hört man ausschließlich Kompositionen von dem Namensgeber der Band. „Elements of Space“ erschien am 18. September 2020 unter dem renommierten Label „Traumton“. 2020 erhielt die Band eine Förderung durch die „Initiative Musik“.

Stilistisch bewegt sich das Quartett im Modern Creative mit Einflüssen aus dem Im- und Expressionismus. Offen gehaltene Kompositionen des Namensgebers der Band garantieren Hochspannung sowohl beim Publikum als auch immer wieder aufs Neue bei den Musikern selbst. „Nicht alles von A bis Z in einer Komposition festzuhalten, ist für den Sound der Band elementar. Prozesse der Improvisation und Kommunikation sollen nicht durch zu viele Vorgaben gestört werden.“ So kann es durchaus passieren, dass phasenweise freie Improvisationen zustande kommen. Teile des Themas können an verschiedenen Orten des Takes aufkommen; auch Duo-Passagen sind jederzeit denkbar. Im Fokus steht, spontan zu interagieren und spannende Musik zu kreieren.

www.simonbelow.com/quartett

Foto © Kilian Amrehn

NORBERT KRAMPF (FAZ), Pressemitteilung für das aktuelle Album “ELEMENTS OF SPACE” (2020):

Schon das 2018 erschienene Debütalbum des Simon Below Quartett, Wailing Wind’s Story, ließ viele aufmerken, ebenso wie die folgenden Konzerte. Thomas Mau lobte im WDR3 „das enorme Niveau ihrer Interaktionen“, Norbert Krampf hob in der FAZ die „Achterbahn ähnliche Dynamik und unerwartete Wendungen“ eines Auftritts hervor und resümierte: „Belows offene, variable Kompositionen lassen Raum für individuelle Gestaltung, den die Band mal bemerkenswert abgeklärt, mal mit juveniler Spielfreude ausfüllt.“

Im August 2018 trat das Simon Below Quartett beim internationalen Jazzfestival Avignon auf und gewann dort den Grand Prix du Jury: drei Aufnahmetage im berühmten La Buissonne Studio im südfranzösischen Pernes les Fontaines. Hier wurden bereits unzählige ECM-Produktionen eingespielt (z.B. von Tigran Hamasyan, Florian Weber, Nik Bärtsch, Kristjan Randalu), ebenso solche von Klaviergroßmeistern wie Joachim Kühn, Brad Mehldau, Ahmad Jamal und Carla Bley. Neben den Studiotagen im Sommer 2019 umfasste die Auszeichnung einen erneuten Festival- Auftritt auf der dortigen Hauptbühne, dem begeisterte Artikel in französischen Jazzmedien folgten.

Elements Of Space präsentiert nun die Aufnahmen aus La Buissonne. Es liegt sicher nicht nur am herausragenden Klang und am Geist des Studios, dass die nuancierte Musik des Albums mitunter an Produktionen aus dem Hause ECM erinnert. „Kammerjazz mit Push“ nennt Simon Below augenzwinkernd den Stil seiner dynamischen Band, die sich souverän zwischen nuancierten, lyrischen und zupackenden Passagen bewegt. Nicht selten passieren diese Wechsel schon innerhalb eines Stückes, wie der Aufmacher Wasserschwimmer eindrucksvoll zeigt. Belows Kompositionen sind bemerkenswert ausgereift und vielschichtig, was sicher auch seinen unterschiedlichen Inspirationsquellen zu verdanken ist. Sie umfassen Jazz-Klassiker (Bill Evans, Miles Davis, Herbie Hancock, John Coltrane) und zeitgenössische Künstler*innen (Sylvie Courvoisier, Tyshawn Sorey), darüber hinaus Bela Bartók (u.a. wegen dessen für die damalige Zeit innovativen Überlagerungen von zwei unterschiedlichen Harmonien) und Frédéric Mompou.

Verglichen mit dem Debüt spielen Belows detailscharfe Kompositionen auf Elements Of Space eine prägnantere Rolle, trotzdem lässt er seinen Bandpartnern bei Umsetzung der Stücke weiterhin Raum für eigene Ideen. „Die Kompositionen enthalten Aufhänger, die den Improvisationen gewisse Formen geben“, erklärt Below. „Im modalen Hymn To The Stars beispielsweise bleibt die Melodie stets präsent, einzelne Musiker können sie als Sprungbrett nutzen und unterschiedliche Formteile spielen.“ Das gravitätische Isonoe ist ebenfalls modal und offen angelegt, Raindrops und Sandstone hingegen setzen mehr auf feste Formen – mit gewitzten strukturellen Brüchen, etwa wenn in Sandstone mehrfach das Tempo wechselt. „Wichtig ist, auf Risiko zu gehen, sich nicht zu sehr an die Regeln zu halten, sondern Mut zu haben, auszubrechen“, sagt Simon Below, „wohl niemand möchte ein Album, auf dem alle ganz vorsichtig agieren. Dazu gehört auch, erweiterte Spieltechniken einzusetzen – und dass mich Fabian immer wieder herausfordert, energetisch zu spielen.“

Tatsächlich bilden das eher subtile als auftrumpfende Naturell des Pianisten und der entschlossene, bisweilen geradezu aufbrausende Gestus des Saxophonisten immer wieder interessante Spannungsfelder. Während Below „auch noch distinguiert und relativ introvertiert klingt, wenn er schnellere Akkordfolgen ins Dissonante driften lässt“ (FAZ), kontert Dudek mit markantem, zwischen warmen Timbre und rauen Modulationen changierendem Ton. Bereits 2016 erhielt er das hoch dotierte Jazzstipendium der Stadt Frankfurt, 2017 wurde er als Solist beim „Jungen Deutschen Jazzpreis Osnabrück“ ausgezeichnet. „Mit seiner energiegeladenen, häufig ekstatischen Ausdruckskraft ist Fabian der expressivste der Quartetts – und wir wissen damit umzugehen“, lacht Below.

Dass sich die 2016 gegründete Band perfekt versteht, lassen die vorliegenden, in nur zwei Tagen entstandenen Aufnahmen klar erkennen. Sechs der acht Stücke fanden sich schon zuvor im Live- Repertoire, das besagte Hymn To The Stars wurde ebenso wie John Taylors Windfall spontan eingespielt. Von Hymn gibt es genau die zwei Takes, die beide auf dem Album zu hören sind; nur wenige Titel wurden öfter, keiner mehr als vier Mal aufgenommen. „Die Atmosphäre im Studio ist wunderbar, den Spirit des Ortes haben wir automatisch aufgesogen. Unwillkürlich wurde alles noch intimer, sind wir noch aufmerksamer miteinander umgegangen.“

Am Klavier begann Below (*6.7.1995) in jungen Jahren mit der klassischen Schule, doch schon als Teenager bevorzugte er – beeindruckt u.a. von Keith Jarretts Solo-Werken – Jazz und Improvisationen. Glücklicherweise wurde er dabei von seinem damaligen Lehrer in Xanten gefördert. Dreimal gewann Below den 1. Preis bei Jugend Jazzt NRW (2009, ’12, ’14), 2017 erhielt er den Steinway Förderpreis NRW. Im folgenden Jahr wurde er Mitglied im Förderverein Live Music Now. An der Hochschule für Musik und Tanz in Köln lernte Below seine zukünftigen Bandpartner kennen, schon kurz nach der Gründung erhielt das Quartett ein Stipendium der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung. „Ursprünglich haben wir uns bei Jamsessions angefreundet, dann habe ich die Sache in die Hand genommen und wurde zum Bandleader“, grinst Below. Wie er sind auch der agile Schlagzeuger Jan Philipp und Fabian Dudek Mitte Zwanzig, Bassist Yannik Tiemann ist ihnen um vier bis fünf Jahre voraus. Alle zählen zur viel beachteten nächsten Generation des deutschen Jazz und verfügen über individuelle Qualitäten. „Jan kann sich sehr fein einfühlen, unterstützt die Musik, weil er immer die Gesamtdramaturgie im Blick hat. Auch in Rubato-Passagen weiß er klangvolle Akzente zu setzen“, freut sich Below. „Und Yannik ist als Verbindung immens wichtig, weil er dafür sorgt, dass meine Harmonien gut klingen. Zudem stellt er geschmackvoll Bezüge zu meinen Kompositionen her und sorgt für Formbewusstsein in der Band.“

Der Albumtitel Elements Of Space sowie die Namen einiger Stücke verweisen auf Simon Belows Interesse an Astrophysik. „Bilder aus dem All berühren mich sehr. Das Universum scheint grenzenlos und geht auch in seiner Zusammensetzung über irdische Vorstellungen hinaus. Es gibt in der Astrophysik unentdeckte Dinge, die man sich derzeit auf bestimmte Art vorstellt, die aber letztlich vielleicht doch ganz anders aussehen. Der Zauber des Unvorhersehbaren, des Überraschungsmoments, spielt für mich auch in der Musik eine entscheidende Rolle.“

Simon Belows Kompositionen lösen traditionelle Formen auf, lassen „klassische“ Abläufe (Thema-Improvisation-Thema) hinter sich und zeigen individuelles Profil. Das intuitive Einverständnis innerhalb der Band befördert langsam sich aufbauende Steigerungen und jähe Wechsel von Transparenz und Verdichtung. So entwickelt das Simon Below Quartett eindrücklichen Gestaltungswillen, der einher geht mit einer lebendigen, dem Publikum zugewandten Spielhaltung. Zeitgemäßer, leidenschaftlicher Jazz von jungen, charakterstarken Musikern.

08.11.2022_Witold

Kalle Kalima (Gitarre)
UIi Kempendorf (Bariton- und Tenorsaxophon)
Moritz Baumgärtner (Schlagzeug)

Zu einer Session im Sommer 2019 brachte Kalle eine Bearbeitung für Gitarre von Witold Lutoslawskis „Melodie Ludowe“ (Folk Melodies) mit. Lutoslawski, einer der größten europäischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, schrieb diese Lieder kurz nach dem 2. Weltkrieg als „funktionale Musik“, um seine Familie zu ernähren.

Die Mischung aus naiven Melodien, krummen folkigen Formen und Lutoslawskis teils wunderschönen, teils kryptischen und dichten Harmonien, bietet genau das richtige Ausgangsmaterial für Improvisation und Triokonversationen mit einem unsichtbaren vierten Mann, irgendwo zwischen Jimmy Giuffres Trios und Tim Berne.

Foto @ Cristina Marx/Photomusix

 

13.12.2022_USINE

Cansu Tanrıkulu (Gesang, Elektronik)
Declan Forde (Klavier)
James Banner (Kontrabass, Elektronik)
Max Andrzejewski (Schlagzeug)

USINE vereint 4 in Berlin lebende Solist*innen zu einem verstörenden, finsteren und energetischen Körper. Improvisationen werden gemeinsam zu Stücken umgearbeitet, die die Grundlage für Songstrukturen und Welten bilden, aus denen sie hervorgehen. USINE beauftragt neue Texte von internationalen Autor*innen und präsentiert originelle antikonservative Tiraden mit Punk-Energie, mit einer Freiheit und Unerbittlichkeit, die im Vordergrund ihres Sounds steht.

Presse:

,,Gefühlstief und dramatisch… zart und schön… voller Drama und stark improvisation“
– Tony Dudley-Evans, Europe Jazz Network

,,Musikalisch ist es ja auch ein sehr breites Feld was ihr absteckt… von ganz klaren Song-Struckturen bis zur totalen Freiheit, Offenheit, in der niemand von vorne rein weiß wo es hinführen würd, am ende findet ihr zusammen…’’
– Ulf Drechsel, rbbKultur

,,Jazz des 21. Jahrhunderts, fest verwurzelt in der musikalischen Geschichte, aber mit neuen Blicken in deren Zukunft. Nein, das ist keine Musik, um Sie beim Abendessen mit der Familie im Hintergrund laufen zu lassen. Das will und soll sie auch nicht sein.’’
– Claus Volke, hören und fühlen

Foto © Dovile Sermokas

jamesbanner.com/usine_de/

14.02.2023_TAU 5

Felix Henkelhausen (Elekctronics, Bass)
Ludwig Wandinger (Electronics)
Moritz Baumgärtner (Schlagzeug)
Philip Zoubek (Synthesizer)
Philipp Gropper (Tenor und Sopransaxophon)

Seit ihrer Gründung arbeiten TAU 5 auf Basis neuer Kompositionsformen und Improvisationskonzepte an dem Vokabular einer eigenen, kollektiven Klangsprache und entwickeln ausgehend von Jazz, Electronic, HipHop, Improv und Neuer Musik ihren Sound mutig weiter.

Supergroup ist – zugegeben – ein etwas abgeschmackter Begriff. Aber im Herbst 2020, in einer Zeit, in der jede mögliche Gruppenbildung mit tollen Individuen nicht nur in der Kunst ein Grund zur Freude ist, möchten wir ihn gerne wieder zurück auf den Plan rufen. TAU 5 ist ein solches Supergruppen-Quintett mit Basis in Berlin, das aus fünf schillernden Persönlichkeiten der jungen europäischen Jazzszene besteht. Moritz Baumgärtner an Schlagzeug und Percussion, Philipp Gropper am Saxophon, Philip Zoubek an der Electronic, Felix Henkelhausen am Bass – und nicht zuletzt Ludwig Wandinger als Produzent und Editor. Denn die Editierarbeit ist tatsächlich ein wichtiger, beinahe kompositorischer Teil ihres Debüt-Albums mit dem allumspannenden Titel „Kreise“. Über drei Jahre hinweg hat das Material große Kreise an den unterschiedlichen Schnittstellen der Produktion gezogen. Von den Kompositionen und Konzeptionen bis zum finalen Mixdown. Wir hören gespielte Notationen, freie Jams und erneute Improvisationen zu bereits editierten Sessions auf dieser kreisförmigen Doppel-Langspielplatte. Das Ende eines Prozesses wird bei TAU5 stets als Anfang eines neuen Prozesses begriffen.

Hier trifft „Bitches Brew“ auf den Geist von Eric Dolphy oder Cecil Taylor unter den Produktionsbedingungen von Ableton-Live. So erinnert „Kreise“ in vielen Momenten eher an Flying Lotus, als an ein klassisches Live- Quintett des Free-, Modern- oder Fusion-Jazz- Betriebs. Doch selbstverständlich besitzen TAU 5 die Fähigkeiten, diese unfassbare Musik 1 zu 1 auf die Bühne zu bringen. Schließlich sind sie weder ein Kurator*innen- noch Produzentent*innen-Traum. Wir sprechen über eine Band: „Next level shit“, würden da wohl die Nachbar*innen aus der HipHop-Abteilung sagen. Dabei sind die Musiker von TAU 5 genauso vom HipHop wie von elektronischer Musik beeinflusst, so wie der Jazz längst wieder mit einer großen Selbstverständlichkeit junge Leute vom Pop bis in die Elektronik hinein beeinflusst. Der Erdkundelehrer-Muff von einst ist lange verflogen. Dem Internet sei gedankt. Nicht nur ihm, aber sicherlich auch.

Die Musik zieht sowieso munter weiter ihre Kreise. Saxophone mit soundverfremdenden Plug-Ins, komplexen, handgespielten Drum- Patterns und den darauf fußenden Loops. „Natürliche“ Sounds und Synthesen. Alles morpht hier ineinander, so wie das Artwork des Berliner Künstlers Markus S. Fiedler, von dessen Arbeit auch niemand mehr mit Gewissheit sagen kann, ob seine Bilderwelten in all ihrer farbigen Pracht vollständig am Computer generiert sind, oder ob es doch nur ein Tableau ist, auf dem fotografische Elemente am Rechner weiterbehandelt wurden.
Was all diese Fragen über die mediale Wahrnehmung unserer Gegenwart aussagen, mag jede(r) für sich entscheiden. Die Gruppe TAU 5 sieht dieses Album ohnehin nicht als ein Manifest, sondern als eine Beschreibung von Zuständen. Als könne man für ausgewählte Momente der Erschaffung oder Erhaltung von Systemen zuhören. Ja, als hörten wir beim Bestäuben einer Pflanze für wenige Minuten nicht nur der Biene, sondern auch der Pflanze zu. Oder den Wolken da oben auf ihrer Reise vom Meer in die nächste Bauernschaft oder Metropole. Die vorbeifahrenden Autos nicht zu vergessen. Und die Prozessoren in unseren Rechnern und Smartphones…

Es ist ihre große Offenheit, Neugierde und natürlich sind es ihre immensen Fähigkeiten, die TAU 5 im Kollektiv zur eingangs beschriebenen Supergroup mit einem echten Superalbum machen. Fantastisch!

Foto @ Andre Symann

http://moritzbaumgaertner.de
http://philippgropper.com
https://www.felix.henkelhausen.net
https://www.ludwigwandinger.com
https://www.philipzoubek.com

14.03.2023_The Consistency of Destruction

Pascal Klewer (Trompete)
Leif Berger (Schlagzeug)
Felix Hauptmann (Klavier/Synthesizer)
Roger Kintopf (Kontrabass)
Florian Herzog (Kontrabass)

“The Consistency of Destruction” arbeitet und forscht an Strukturen, Polyrhythmik, Dichte und Klang. Die Musik des Kölner Ensembles, bestehend aus den beiden Bassisten Roger Kintopf und Florian Herzog, dem Schlagzeuger Leif Berger, dem Pianisten Felix Hauptmann und dem Trompeter Pascal Klewer, befindet sich an den Grenzen der Avantgarde, Improvisierten Musik und der Neuen Musik. Die intensiv erarbeiteten Stücke, Vorlagen, Vorgaben und Konzepte werden stets weiter erforscht und schließlich zerstört, hinterfragt und neu verkoppelt.

Die Band veröffentlicht im Laufe 2021/2022 insgesamt 5 Alben auf dem Label sts|sts records.

Presse:

https://www.spiegel.de/start/jazz-musiker-werden-pascal-klewer-ueber-sein-studium-sein-gehalt-und-die-corona-krise-a-6a2e151c-df8f-4bd7-a28e-748c740cd622

https://www.ksta.de/kultur/aufregend-unberechenbar-36385072?cb=1619082665608

https://www.deutschlandfunk.de/aktuelle-big-bands-frischluft.2886.de.html?dram:article_id=475019

https://www.jazzthing.de/news/2020-2-27-koeln-222-festival-im-loft

pascalklewer.com