Alle Artikel in der Kategorie “Vorschau

09.07.2024_FORGES

Rémi Ploton (Klavier)
Samuel Mastorakis (Vibrafon)
Tancrède D. Kummer (Schlagzeug)

„I conceive this ensemble as a ‚percussion trio‘, the music merges rhythmical, multi-layered frames with textured-based pieces and improvisational parameters. Here, written music is apprehended like blocks of raw matter which members are called upon to peel, bend or weld onto another. Each tune is thought as a small toy-box of concepts where players are led to pick and choose thus altering the overall direction of the performance.“ TDK

Dieses Repertoire ist das Ergebnis einer Reflexion über den Wert von Grenzen in der Kunst als Instrument der Verkündigung und der Überschreitung. Über den konkreten Gebrauch von Grenzen in der Komposition als Mittel der Emanzipation – die Suche nach dem Rahmen, aus dem wir uns befreien können. Geschriebene Musik wird hier als Block aus roher Materie verstanden, in dem jedes Glied dazu aufgerufen ist, sich abzuschälen, zu biegen oder an ein anderes zu schweißen.

Als klanglich-mobile Installation konzipiert, entwickeln sich die Stücke in gewebten Modulen, die sich gegenseitig umkreisen. Rhythmische Strukturen oder abstrakte Texturen werden abwechselnd verwendet, um intensive Klanglandschaften zu entwerfen und zu verzerren. Jeder Abschnitt ist wie eine kleine Spielzeugkiste mit Konzepten gedacht, aus denen die Spieler auswählen und so die Gesamtrichtung der Aufführung verändern können.

Es ist die Idee einer Musik, die sich ihrer selbst bewusst ist, die sich selbst „denkt“, in der Aktion und Spontaneität vorherrschen, in der Wiederholungen und thematisches Wiederauftauchen fast zufällig erscheinen und keinen ästhetischen Anspruch darstellen, sondern eher wie ein Déjà-vu oder eine schwache Erinnerung, die durch Zeit und Interaktion verändert wird. Trotz der Wiederkehr hat sich jedes Motiv verändert, hat eine neue Form angenommen, nichts löst sich völlig in der Energie der Aufführung auf, aber nichts bleibt gleich.

Auf diese Weise zu komponieren bedeutet für mich, „Protagonisten“ mit komplexen und vielschichtigen Persönlichkeiten zu schaffen, die fähig sind, ihre Stimmung zu ändern und sensibel auf ihre Umgebung zu reagieren, ohne sie jedoch in eine vorgegebene Erzählung zu zwingen, sondern die Ereignisse und die Szenerie aus der Phantasie des Musikers entstehen zu lassen. Es geht darum, eine Plattform zu schaffen, auf der die von der Komposition gesetzten Grenzen zu einem Spielplatz werden, auf dem Abenteuergeist und Unmittelbarkeit zelebriert werden.

Nachdem Samuel und Rémi in den letzten 9 Jahren in verschiedenen Ensembles und Genres zusammengearbeitet haben, konzentriert sich dieses neue Trio auf die akustische und perkussive Natur unserer Instrumente. Durch die Betonung der Mehrdeutigkeit und des Rätselhaften innerhalb der beträchtlichen Menge an Strukturen, auf denen die Musik basiert, versuche ich, sowohl den Spielern als auch dem Material selbst in den Stücken völlige Autonomie zu gewähren, so dass die Grenze zwischen „Text“ (wie in notierter oder vorbereiteter Musik) und „Initiative“ (wie in Interpretation und Improvisation) auf eine gestrichelte Linie reduziert oder manchmal sogar ausgelöscht werden kann.

Presse:

„Forges’ sonic geometry is such that the trio members try to avoid expected musical tropes or textures. Without a bass player comparisons to Modern Jazz Quartet-like ensembles don’t exist either. Instead many of the 10 tracks work on some variation of harpsichord-like vibe tones trembling often delicately alongside measured piano chording that open up the exposition. Quiet and reflective interface is most prevalent with moderated keyboard tinkles, cymbal claps and reflective vibe rebounds. However these are prominent so often that sameness is only avoided by a hair’s breadth. Some tunes that move at a funeral pace threaten to cross that line. On a few instances such as “Gla” and “Débris III” the tempo becomes faster and more violent or in the case of the second, a group improv, architecture stretches to add pops, rebounds and odd squibs from Kummer’s manipulation of toys. However Mastorakis’ bow-on-metal bar expression is used so sparingly its nearly inaudible. “Jeu” is the most fully realized piece as the vibraphone carries the melody into story-telling mode, as piano key pressure meets wood block smacks and drum ruffs to open up the exposition.. Even as the narrative doubles in speed, percussion pressure and echoing vibe pops still reflect the basic delicacy of the program. This is confirmed on “Jeu (postlude)”, several tracks later, as piano key tinkles and percussion plops reassert quietness and delicacy.“

Ken Waxman – Nov. 20, 2023
JAZZWORD

tancrededkummer.com/forges

Foto © Yorgos Kyvernitis

04.10.2024_Ingrid Laubrock/Tom Rainey Duo

Sonderkonzert zum 30-jährigen Jubiläum der Jazz+ Reihe
BR-KLASSIK Live-Mitschnitt

Ingrid Laubrock (Saxophon)
Tom Rainey (Schlagzeug)

Die in New York lebende experimentelle Saxophonistin und produktive Komponistin Ingrid Laubrock, die der Pianist und künstlerische Leiter des Kennedy Centers Jason Moran als „wahre Visionärin“ bezeichnete, erforscht „die Grenzen zwischen musikalischen Bereichen und schafft vielschichtige, dichte und oft suggestive Klangwelten“. Sie hat mit allen zusammengearbeitet, von Anthony Braxton, Muhal Richards Abrams, Dave Douglas, Kenny Wheeler, Jason Moran und Tim Berne bis hin zu William Parker, Mary Halvorson, Andy Milne und vielen anderen. Sie wurde mit dem Herb Alpert Ragdale Prize in Music Composition 2019 und dem Berklee Institute of Gender Justice Women Composers Collection Grant 2021 ausgezeichnet, hat zahlreiche Kompositionsaufträge erhalten und ist Teilzeitdozentin an der New School und der Columbia University in New York.

Ihr Duo mit dem Schlagzeuger Tom Rainey, mit dem sie seit 2007 zusammenspielt und vier Alben veröffentlicht hat, ist, wie sie anmerkt, von besonderer Bedeutung für sie, da es den Kern vieler ihrer Projekte bildet. Rainey ist mit einer Vielzahl von Künstlern aufgetreten, darunter John Abercrombie, Tim Berne, Jane Ira Bloom, Fred Hersch, Joe Lovano, Carmen McRae und Denny Zeitlin. Seine umfangreichen Aufnahmen und das künstlerische Niveau der Musiker, die er unterstützt hat, machen ihn zu einem der wichtigsten Schlagzeuger, die mit der modernen, kreativen Jazzszene von New York City seit den späten 80er Jahren eng verbunden sind.

Foto © Caroline Mardok

www.ingridlaubrock.com

In Kooperation mit BR-KLASSIK

15.10.2024_Lotus Crash

Marco von Orelli (Trompete)
Tommy Meier (Tenorsaxofon, Bassklarinette)
Luca Sisera (Kontrabass)
Sheldon Suter (Schlagzeug)

Lotus Crash vereint vier hervorragende Improvisatoren mit unterschiedlichen musikalischen Biographien. Was sie verbindet, ist ihre Vorstellung von Klang und Ästhetik. Dieses Quartett klingt roh und archaisch und überrascht mit einem warmen, ausdrucksstarken Sound. Die Besetzung mit zwei Bläsern plus Rhythmusgruppe ohne Harmonieinstrument hat eine lange Tradition. Lotus Crash entwickelt diese weiter mit der Verwendung zeitgenössischer Instrumentaltechniken, mit aufgebrochenen Formen und Hidden Composition. Die ausgefeilten Improvisationen der Band bewegen sich abseits ausgetretener Pfade; das ist kreativer Jazz vom Feinsten.

www.lotuscrash.ch

23.11.2024_Kaufmann / Dunston / Portugal

Sonderkonzert zum 30-jährigen Jubiläum der Jazz+ Reihe

Achim Kaufmann (Klavier)
Nick Dunston (Kontrabass)
Mariá Portugal (Schlagzeug und Percussion)

Ein Anspruch des improvisierenden Musikers besteht darin, sich neuen musikalischen Situationen auszusetzen. Berlin bietet durch den ständigen Influx, die kontinuierliche Bewegung der Szene, eine Menge Gelegenheiten hierfür. Was wir als Einzelne in den Prozess mit einbringen, fließt in die kollektiv gestaltete Musik mit ein – unsere Persönlichkeiten, Geschichten, Prägungen.

Nick Dunston und Mariá Portugal sind auf ihren Instrumenten und als Komponist bzw. Komponistin wegweisend. Beide sind jetztzeitige Künstler, sie verändern das Bestehende. Sie stehen aber auch in Verbindung mit reichen musikalischen Traditionen. Für mich ist diese Mischung inspirierend und vielversprechend. Ich freue mich auf die Begegnung mit den beiden und eine Musik, in der Klang, kinetische Energie und Provokation ihren Platz haben sollen.

Achim Kaufmann

Achim Kaufmann ist seit vielen Jahren eine der inspirierendsten und spannendsten Persönlichkeiten der europäischen Jazz- und Improvisationsszene. Seine Musik zeugt von großer harmonischer Subtilität und struktureller Tiefe. Als brillanter Pianist und Komponist hat ihn die reflektierte Auseinandersetzung mit der Tradition zu einer nuancierten, zeitgenössischen Klangsprache geführt, die Poesie, Energie und Abstraktion gleichermaßen umfasst.”
(Julia Neupert, SWR Radio)

Nick Dunston ist ein akustischer und elektroakustischer Komponist, Improvisator und Multiinstrumentalist. Er wird als “unverzichtbarer Akteur der New Yorker Avantgarde” (New York Times) bezeichnet und tritt an einer Vielzahl von Veranstaltungsorten und Festivals in Nordamerika und Europa auf.

Mariá Portugal ist eine brasilianische Schlagzeugerin, Sängerin, Komponistin, Musikproduzentin und Improvisatorin, die seit 20 Jahren in der brasilianischen Musikszene aktiv ist.

achimkaufmann.com
nickdunston.info
mariaportugal.com

Foto © Cristina Marx/Photomusix

10.12.2024_Richard Koch Quartett

Richard Koch (Trompete, Komposition)
Michael Hornek (Klavier)
Matthias Pichler (Kontrabass)
Moritz Baumgärtner (Schlagzeug)

Richard Koch hat sich bereits einen exzellenten Ruf als Trompeter erarbeitet. So kann man ihn auf einem der erfolgreichsten Alben der jüngsten deutschen Pop-Geschichte dieses Landes („Stadtaffe“ von Peter Fox), aber auch im Ensemble des finnischen Space-Travellers Jimi Tenor spielen hören.

Auf seinem neuen Album FLUSS sind es wieder einmal die herausragenden Kompositionen, die Richard Koch von so vielen sinnsuchenden Jazzmusiker*innen da draußen unterscheidet. Weil er so ein tolles Melodie-Gespür hat, braucht sein Quartett auch keinerlei Sound-Verfremdungen oder neue Hochleistungsrekorde. Kochs Quartett klingt im besten aller Sinne tradiert, in einer Tradition mit den Quartetten und Quintetten der großen Trompeter*innen des Jazz. (R.I.P. Jamie Branch!).

Ja, Kochs Musik hat Soul! Und jedes seiner musikalischen Themen klingt‚ voller Demut und tiefer Dankbarkeit für das, was er für uns praktizieren darf: Den Raum zum Fließen zu bringen. Und damit bringt er die Saiten unserer Seelen in uns zum Schwingen.
(Maurice Summen)

“Für mich strahlt die Musik eine große Freude aus, wie ich sie nur von wenigen hierzulande kenne.”
Bert Noglik

“Koch gönnt sich eine geradezu kindliche Lebensfreude, dass uns das Herz lacht.”
Albert Hosp, Radio Ö1

„Kontemplativ und virtuos formuliert Koch seine bluesigen Stimmungen. … Eine traurig-schöne Liebeserklärung an den urbanen Raum.“
3Sat Kulturzeit

 

Foto © Ulla C. Binder

www.richardkoch.at