11.04.2023_inEvitable

Evi Filippou (Vibraphon, Perkussion, Gesang)
Arne Braun (Gitarre)
Eldar Tsalikov (Altsaxophon, Klarinette)
Robert Lucaciu (Kontrabass)
Moritz Baumgärtner (Schlagzeug)

inEvitable ist das neueste musikalische Projekt der Vibraphonisten Evi Filippou. Im Mittelpunkt steht das Experimentieren mit den Formen der griechischen Folklore, des Jazz und der improvisierten Musik.

Die Perkussionistin und Songwriterin folgt dabei ihrem Bedürfnis nach Selbstausdruck und erforscht ihre musikalischen Wurzeln zurück zum folkloristischen Erbe ihres Heimatlandes – mit Melodien, die zwischen zeitlosen, traditionellen Motiven, den Volksliedern der 60er und 70er-Jahren sowie der modernen Singer-Songwriter-Tradition liegen. Gleichzeitig hat sich diese zutiefst endemische Auseinandersetzung mit ihrem Weg durch die zeitgenössische Szene Berlins vermischt. Eine besondere Verschmelzung von Genres und persönlichen Erfahrungen, die zur Entstehung von inEvitable führte, einer Band, in der herausragende Improvisatoren mit Filippous Arrangements interagieren.

Zusammen spielen sie eine Sammlung von Arrangements und Kompositionen, die von Folk und traditionellen Genres inspiriert sind: Tanzmelodie der Insel Korfu, ein serbischer Klassiker, ein spirituelles Lied der afroamerikanischen Tradition oder eine Instrumentalversion von Angelique Ionnatos Musik. Das Ergebnis ist ein ökumenisch musikalischer Kosmos, gefüllt mit Postkarten aus aller Welt

Evi Filippou (1993), hat mit 7 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen. Mit einem Stipendium des Athener Konzerthauses schloß sie das Volos Konservatorium ab und zog 2011 nach Berlin, wo sie an der Hochschule für Musik „Ηanns Eisler” ihren Bachelor und MA Abschluss mit Auszeichnung machte.

An Berufserfahrung stehen die Mitwirkung bei Orchestern und Kammermusik Ensembles (u.a.Bolshoi Ballet Orchestra, Ensemble United Berlin) als auch solo Auftritte klassischer und improvisierter Musik und Duo Kooperationen (“ff duet” mit Katerina Fotinaki, “blowslap” Duo mit saxophonist Hayden Chisholm). Auch in der Jazz Szene aktiv spielt Filippou unter anderem bei Stefan Schultzes’ Large Ensemble und Chris Dahlgrens’ DHALGREN. Zusammen mit Harfenistin Andrea Voets arbeitet sie an Live Film Musik Projekte (musical journalism, u.a. “Xenitia – a documentary concert about migration”). Ihre eigene Musik und Arrangements spielt Evi mit ihrem Quintett inEvitable.

Ein grosser Teil ihres künstlerisches Lebens gilt dem Musiktheater (Gründungsmitglied des „Opera Lab Berlin” Ensembles). Sie wirkt bei zahlreichen Produktionen mit (u.a. in der Neuen Werkstatt der Staatsoper Berlin, Hauen und Stechen Musiktheater Kollektiv). Seit 2016 ist Evi auch Dozentin in berliner Grundschulen gefördet von “Vincentino e.V. – Kultur stärkt Kinder in Berlin”. Ständig beschäftigt mit der Koexistenz von Komposition und Improvisation, Präzision und authentischer persönlicher Ausdruck wohnt und übt Evi in Berlin.

Presse:

„Was für eine witzige Mischung aus griechischer Folklore, im Fall des Openers „Perdika reloaded“ von der Insel Korfu, Ringelspiel-Musik und freier Improvisation! Manches davon würde sich auch ideal als Soundtrack zur Untermalung eines „Tom & Jerry“-Streifens eignen. Die 29-jährige, aus Griechenland stammende und seit gut zehn Jahren in Berlin lebende Vibraphonistin und Perkussionistin Evi Filippou ist in der Klassik und in der Neuen Musik ebenso zuhause wie im Jazz, in der freien Improvisation oder im Musiktheater. Es gelingt ihr mit beeindruckender Leichtigkeit, ihre vielseitigen Interessen in einen gleichermaßen mitreißenden wie stimmigen Mix zu integrieren, auf dem die Beschäftigung mit den musikalischen Wurzeln ihrer ursprünglichen Heimat sozusagen als außergewöhnliches Sahnehäubchen thront.

Filippou ist an Vibraphon und Perkussionsinstrumenten gleichermaßen wendig und einfallsreich wie beim Komponieren und Arrangieren, was natürlich kongeniale Partner erforderlich macht. Der russische Altsaxophonist und Klarinettist Eldar Tsalikov agiert höchst sensibel, kann aber auch förmlich explodieren, der finnische Gitarrist Arne Braun steuert unorthodoxen Saitenzauber bei, und das aus Bassist Felix Henkelhausen und Drummer Moritz Baumgärtner bestehende Rhyhtmus-Gespann versteht es, Filippous komplexe rhythmische Ideen mühelos zu verfeinern und umzusetzen. Die Gäste Julius Gawlik (Tenorsax, Klarinette) und Jone Bolibar (Klarinette, Bassklarinette) fetten bei Bedarf die Bläserstimmen auf.

„Maria“ startet als stimmungsvolles impressionistisches Klanggemälde, das mit wundervoller Leichtigkeit nahezu tänzerische Qualitäten entwickelt. Das auf einem serbischen Folk-Song basierende „Spa of Niš“ lässt Balkan-Swing aufleuchten, rasch durchbrochen durch freie Einwürfe, bevor es gar zu idyllisch wird. Auch die rasante „Hymn to the Sun“ – von der 2021 verstorbenen, griechischen Sängerin und Komponistin Angélique Ionatos geschrieben und von Filippou arrangiert – ist mit den für die griechische Folklore typischen, ungeraden Rhythmen gespickt. Bei „In The Apple Tree“, einer Improvisation nach dem Stück „I Milia“ des zeitgenössischen, kretischen Musikers und Komponisten Loudovikos ton Anogeion, steuert Lara Alarcón Vokalartistisches bei. Das von Elias Stemeseder komponierte „Resolution Points“ stellt einen rasanten Ausflug in die Neue Musik dar, während das auf dem Gospelsong „Just a Closer Walk With Thee“ basiernde „Ode to A.L.B.B.“ einen stimmungsvoll swingenden Abgang aus diesem enorm abwechslungsreichen Debütalbum von inEvitable beschert.

In den Bandnamen ihres Quintetts hat Filippou klarerweise ein Wortspiel mit ihrem Vornamen versteckt, und das englische Wort „inevitable“ hat eine ganze Menge an Bedeutungen – zwangsläufig notwendig, unumgänglich, unvermeidlich, naturgegeben –, sie alle passen irgendwie auf dieses bei Alfred Vogels Boomslang Records erschienene Album, das man auch als notwendiges Ventil für die außerordentliche Kreativität der Bandleaderin sehen kann. Die Band hat übrigens bei den diesjährigen Bezau Beatz auch ihre hervorragenden Live-Qualitäten unter Beweis gestellt, und Evi Filippous charmante Art und überbordende Spielfreude wirkte auf die Mitspieler gleichermaßen ansteckend wie auf das begeisterte Publikum.“

(Peter Füssl · 07. Sep 2022 · CD-Tipp Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft)

Foto © Fabio Dondero

evifilippou.com