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Seit 1994 gibt es die Reihe Jazz+ in der Münchner Seidlvilla am Nikolaiplatz. Die elf Konzerte im Jahr, die immer am zweiten Dienstag im Monat stattfinden, sind eine nicht mehr wegzudenkende Bereicherung für die Münchner Jazzlandschaft.

Von Beginn an verstand sich die Reihe als Plattform für modernen, zeitgenössischen Jazz. Für Musik, die überrascht, interessiert, inspiriert und begeistert.

In den ersten Jahren war die Reihe hauptsächlich ein Forum für Musiker*innen der lokalen Szene. Mittlerweile kommen Bands aus ganz Deutschland und zunehmend auch aus Europa, um in der Seidlvilla zu spielen.

Neben Newcomer*innen präsentieren international etablierte Künstler*innen ihre Projekte. Dabei beweisen die Kurator*innen immer wieder Spürsinn. Nicht selten waren in der Seidlvilla noch relativ unbekannte Musiker*innen zu hören, die kurze Zeit später auch auf größeren Bühnen und Festivals spielten.

Der Schlagzeuger Martin Kolb hat die Reihe ins Leben gerufen und steht seitdem für ausgesuchte Qualität in der Auswahl der Acts.

Bands und Zuhörer*innen kommen nicht nur wegen des besonderen Ambientes der Jugendstilvilla und des hervorragenden Klangs im holzvertäfelten Zenzl-Mühsam-Saal, sondern auch wegen der freundlich ungezwungenen Atmosphäre und dem Enthusiasmus der Veranstalter*innen für ihre ureigene Sache – für Jazz und improvisierte Musik.

_Kathrin Pechlof

Geschichte der Seidlvilla

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Der Bau der Schwabinger Seidlvilla ist eng verknüpft mit der Spatenbrauerei, die um 1900 mit einem Bierumsatz von 500.000 Hektolitern eine der größten Brauereien Deutschlands geworden war. Als Johann Sedlmayr, einer der Firmeninhaber, starb, hinterließ er seiner Frau Franziska ein ansehnliches Vermögen. Die Witwe heiratete erneut und ließ sich 1904-06 für ihre Ehe mit Paul Johann Lautenbacher die repräsentative „Villa Lautenbacher“ im damals noch ländlichen Schwabing errichten.

Als Architekt kam für die Erbauerin nur einer in Frage: Ihr Neffe Emmanuel von Seidl (1856 – 1919), der sich insbesondere mit zahlreichen herrschaftlichen Villen rund um den Starnberger See einen Namen gemacht hatte. In München sind vor allem seine öffentlichen Bauten bekannt, z.B. das Augustiner Bräuhaus in der Neuhauserstrasse oder das Elefantenhaus in Hellabrunn. Die großbürgerliche Anlage in Schwabing, die später nach ihm benannte Seidlvilla, bestand aus einem repräsentativen Wohnhaus mit angefügtem Nebentrakt für Remise, Pferdestall und Kutscherwohnung.

Die Villa ging nach dem Tode ihrer Erbauerin in den 1930er Jahren an die Erben über und verlor in den folgenden 50 Jahren ihren ursprünglichen Charakter als reines Wohnhaus. Allmählich wurde das Anwesen in dieser gefragten Lage und durch zahlreiche Nutzungs- und Besitzwechsel zum Spekulationsobjekt Seidlvilla.

Zu Beginn der 1970er Jahre tauchten erste Gerüchte auf, die Villa und die beiden Handwerkerhäuschen an der Ecke Nikolaiplatz sollten abgerissen werden und einem Hotel-, Büro- oder Kaufhauskomplex weichen.

Aus dem Protest der Anwohnenden formierte sich bald das „Bürgerkomitee Schwabing“ und später die „Aktion Nikolaiplatz“, die für den Erhalt des Ensembles am Nikolaiplatz auf die Straße ging.

Die Schwabinger Bürger/innen entwickelten erste Ideen für eine soziale und kulturelle Nutzung. Mit dem Ziel einen Ruhepol mit vielgestaltigem Kulturangebot inmitten eines von Konsum und Kneipentourismus geprägten Viertels zu erreichen, gründeten sie den Verein „Bürgerzentrum Seidlvilla“.

Mit Aktionen, Unterschriftensammlungen, Eingaben und Bürgerfesten verfolgte der Verein über zwei Jahrzehnte unerschütterlich sein Ziel, trotz erheblicher Widerstände und unterschiedlichster Nutzungsinteressen: Zwar hatte die Stadt mittlerweile das Anwesen erworben und so die Forderung erfüllt, aber noch dauerte es sieben Jahre bis zur Öffnung des Bürgerhauses, in das man als Zwischennutzer das Schwabinger Polizeirevier untergebracht hatte.

Kulturzentrum Seidlvilla

Im Juni 1991 öffnete die Seidlvilla schließlich nach langer, gründlicher Renovierung ihre Tore als Stadtteilkulturzentrum. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses. Ein Neubeginn nicht nur für das Haus selbst, sondern vielmehr eine neue Basis für das Gemeinschaftsleben des Stadtteils.

Seit mehr als 30 Jahren ist die Seidlvilla mit Veranstaltungen aus den Bereichen Kunst, Literatur, Musik, Philosophie, Volkskultur und Volksbildung, Theater, Vorträgen und Diskussionen zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen sowie einer Vielzahl von sozialen, integrativen und nachbarschaftlichen Angeboten ein fester Bestandteil des Münchner Kulturlebens.

Mittlerweile bei jährlich rund 2.000 Veranstaltungen und mit 50.000 Besucher/innen ist das „Haus für Schwabing“ – so steht es in der Satzung des Seidlvilla-Verein e.V. – ein herausragender kultureller Begegnungsort auch für die angrenzenden Stadtteile und das Münchner Umland.

Nach 35 Jahren Trägerschaft für die Seidlvilla hat sich der Seidlvilla-Verein e.V. im Jahr 2025 dazu entschieden, den Nutzungsvertrag mit dem Kulturreferat und den Zuwendungsvertrag mit dem Sozialreferat zu beenden und das Haus an die Stadt zurückzugeben. Damit beginnt für die Seidlvilla ein neues Kapitel. Die Trägerschaft wird ab April 2026 an die Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco übergehen

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