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14.05.2019_Philipp Gropper’s Philm

Philipp Gropper (Tenorsaxophon, Komposition)
Elias Stemeseder (Klavier, Synthesizer)
Robert Landfermann (Kontrabass)
Oliver Steidle (Schlagzeug)

Die Protagonisten von Philm stellen sich immer wieder aufs Neue dieselbe Frage: Warum spielen wir diese Musik? Verblüffender Weise finden sie darauf stetig überraschend neue Antworten, im Hinblick auf ihre Musik, ihre Haltung und nicht zuletzt ihr Verhältnis zu ihren tatsächlichen und potentiellen Hörer*innen. Jeder der vier Musiker steht für weit mehr als nur das Instrument, dessen Klang er unmittelbar beisteuert.

Die Stärke von Philm besteht gerade darin, dass die vier Individualisten gar nicht erst den Versuch antreten, ihren gemeinsamen Nenner zu definieren, sondern die Arme ausbreiten und über ihre Unterschiede den größtmöglichen gemeinsam zu erobernden Raum abstecken, und sei es der Weltenraum.
Die Musik von Philm gibt uns das Gute zurück, das wir irgendwann mal im Jazz der 1960er Jahre erfahren haben, als es noch in jedem einzelnen Ton um alles ging. So ist es gottlob auch hier. Es geht um alles und noch viel mehr und das in jedem einzelnen Augenblick. Gerade so als müsste das Schiff, sollte die Band auch nur einen einzigen Moment in ihrem gemeinsamen Ringen um Schub nachlassen, auf dem Boden der tristen Realität zerschellen.

Philm gelingt es, Improvisation und Komposition elastisch ineinander zu verzahnen und auf frappierende Weise aus einer inneren Notwendigkeit, genau das zu sagen, was hier gesagt werden muss. Philm lehnt sich ein ganzes Stück aus dem Fenster, geht ins Risiko und holt die Hörer*innen, egal welcher musikalischer Sozialisation, genau dort für diese Reise ab, wo sie sind: In der Mitte des Lebens.

Philm abstrahiert gleichermaßen auf hohem Level und macht konkrete Angebote an die Hörer*innen, weil es zugleich intim und introspektiv, aber doch auch offensiv und aufmüpfig ist, weil es in ein und demselben Augenblick Einsichten und Draufsichten gewährt, indem es Nähe schafft und auf Distanz geht, weil es den Augenblick zelebriert und doch auch Epochen übergreifend ist. Es geht um alles und noch viel mehr und das in jedem Augenblick.

Presse:

Was heißt eigentlich heute Jazz? Gibt es zeitgemäßen Jazz, einen zeitgemäßen Sound, der weder altbacken und verstaubt klingt noch die Tradition verleugnet? Die beste Antwort auf die Frage liefert, wie ich finde, die ungemein kreative Berliner Jazzszene, zu der auch der Saxophonist Philipp Gropper zählt, mit seinem Quartett Philm. Das steht für einem im besten Sinne progressiven Jazz – kantig, rhythmisch vertrackt, ohne Scheu vor Dissonantem, gespeist von ganz vielen unterschiedlichen stilistischen Einflüssen […]. Sunship, das ist der Titel des jüngsten, vielgelobten Studioalbums des Quartetts aus dem vergangenen Jahr und mit dem Material dieses Albums sind die vier auf Tournee gegangen, haben unter anderem ein Konzert im Amsterdamer Bimhuis gespielt […]. Und es ist tatsächlich nochmal eine Spur intensiver, direkter und spannender dieser Musik sozusagen im Prozess mit ihrer Entstehung vor Publikum zuzuhören […].
– Johannes Kloth, SR2-Kulturradio/Jazz Now

Philm gelang es, Improvisation und Komposition elastisch ineinander zu verzahnen und auf frappierende Weise aus einer inneren Notwendigkeit, genau das zu sagen, was hier gesagt werden muss. Stark und intensiv war das Konzert, welches aus einem ununterbrochenem einstündigen Set bestand. Bemerkenswert.
– nnz-online.de

…ich liebe die theatralen, dystopischen Engführungen auf sun ship, die permanente Gleichgewichtung der Mittel, das Intrinsiche, das Solieren als Verglühen, als Punishment in mitten einer Lavaflut vergehend.
– Matthias Krieg

Man kann dieser Musik, obgleich sie voller Brüche und Quertreibereien steckt, beim Wachsen zuhören und die überraschenden Eruptionen in dieser spröden, aber poetischen Klanglandschaft genießen wie den Ausbruch eines Geysirs.
– Klaus Nüchtern, Falter 27/17

Diese CD ist wie ein Manifest. Wie in insistierenden Schleifen gräbt sich seine kompromisslose Dringlichkeit ein und wird immer plausibler, je öfter man es hört. Unbedingte Voraussetzung dieser überzeugenden und nicht schlicht Vorbilder oder Ahnen imitierenden Intensität ist eine über Jahre kontinuierliche Zusammenarbeit Gleichgesinnter. […] Groppers Band hat sich freigespielt von den Ahnen, doch Coltranes Spirit des Transzendenten, auf Höheres, Größeres Deutenden, ist transformiert in unsere Gegenwart.
– Ulrich Steinmetzger, sonic 101, Juli 2017

Natürlich ist der Albumtitel „Sun Ship“ (WhyPlayJazz/NRW) eine Referenz in die Jazzgeschichte und verweist direkt auf eine wichtige Inspirationsquelle für den 1978 in Berlin geborenen Saxofonisten Philipp Gropper: John Coltrane, vor allem den der späten Phase kurz vor dessen Tod 1967. Gropper geht es mit seinem Quartett PHILM um die Haltung und Energie, die auch und gerade auf der gleichnamigen Coltrane-Platte zu Tage treten. Es geht um die Freiheit in der Wahl der Mittel und Möglichkeiten, um die größtmögliche Emotionalität im Ausdruck. […] Die vier Musiker experimentieren mit rhythmischen Überlagerungen, die ihre Entsprechungen in einem polyphonen Geflecht der Stimmen haben, das in einer Trias aus akustischem Flügel, Synthesizer und Tenorsaxofon gipfelt.
– Martin Laurentius, jazzthing.de

In dieser Besetzung ist Philm nicht nur ein Projekt, sondern eine holistische Band, wie es sie in der deutschen Jazzlandschaft nicht allzu oft gibt. In den drei langen Tracks der CD treten die vier Individualisten gar nicht erst den Versuch an, ihren gemeinsamen Nenner zu definieren. Sie breiten die Arme aus und stecken den größtmöglichen, gemeinsam zu erobernden Raum ab, in diesem Fall recht unbescheiden den Weltenraum.
– Wolf Kampmann, Jazz thing, Juni-August 2017

Der gemeinsame Philm-Sound markiert einen ihrer absoluten Höhepunkte, weil wie mit Händen zu greifen ist, dass dieses feste Ensemble Essenzielles einkreist und dabei in drei zyklischen Kompositionen des Bandleaders Gropper sehr nah aneinandergerückt agiert. Das hat ein Dräuen, Drängen und schichtweise sich Entwickelndes, ohne dass sich auf Erreichtem ausgeruht würde. Hier geht es um das Umspielen von emotionalen Kernen in Gruppenstärke, um rastlose Dringlichkeit in Splittertönen und Soundfindungen jenseits des Epigonalen. Die Geschichte der modernen Jazzentwicklung ist den Beteiligten bekannt, es geht jedoch darum, daraus für sich Wichtiges zu extrahieren. Insofern ist diese Musik ein Destillat.
– Ulrich Steinmetzger, Leipziger Volkszeitung

www.philippgropper.com